Quo vadis Kromfohrländer?

Goodbye Kromfohrländer, hello ProKromfohrländer

Wann ist ein Hund ein Mischling oder ein Rassehund? Muss man für die Zucht eines Rassehundes unflexibel sein wie ein Backstein? Wann darf man welche Merkmale einzüchten, wann muss man es und wann sollte man es? Egal, welche Rasse man bei diesem Thema betrachtet, Diskussionen hierzu ähneln stets einem rhetorischen Schlagabtausch. Hier geraten Vertreter von streng konservativen Positionen mit auf die Zukunft setzenden Hoffnungsträgern aneinander, die Änderungen bei der Zucht für unausweichlich halten. Gemeint ist hier die Hoffnung, der Rasse Gutes zu tun, ihr zu mehr Gesundheit zu verhelfen, genetische Krankheiten zu verringern und den Inzuchtkoeffizienten zu minimieren. Allerdings: Keine der beiden Gruppen hat etwas anderes im Sinn als die Liebe zum Hund, die sie in ihren Zielen alle vereint. Uneinigkeit besteht nur in der Wahl des richtigen Weges zu diesem Ziel.

Grundsätzlich gilt, dass das Auftreten genetisch bedingter Krankheiten einer Rasse bei großer genetischer Vielfalt (Diversität) dieser Rasse deutlich verringert ist, wenn man den Vergleich zu einer Rasse mit geringerer Diversität bemüht. Letztlich läuft also eine Verminderung genetisch bedingter Erkrankungen immer darauf hinaus, die genetische Vielfalt zu erhöhen.

Wie erreicht man aber eine größere genetische Vielfalt? Letztlich nur durch das Einbringen neuer Gene in die Zucht, sprich durch das Einkreuzen einer anderen Rasse. Es sollte dann aber eine Rasse sein, die von Haus aus ein großes Potenzial an Diversität mitbringt. Hierzu möchte ich den Kromfohrländer betrachten. Der Kromfohrländer gehört zur sogenannten Founderrasse. Im Gegensatz zu Kreuzungsrassen entstehen Founderrassen nur aus ganz wenigen Hunden. Deshalb besitzt die Folgepopulation auch nur das Potenzial an genetischer Vielfalt, das die Gründertiere mitgebracht haben.

Am Beispiel des Kromfohrländers, einem beliebten Familienhund, zeigt sich deutlich und stellvertretend für andere Hunderassen die mit der genetischen Vielfalt einhergehende Dramatik. Weil nichts zu machen keine Lösung ist, haben sich viele Züchter und Interessierte zusammengetan und einen eigenen Verein, den ProKromfohrländer e.V., gegründet. Das Pro steht dabei für ein Projekt mit der Zielsetzung, die genetische Vielfalt zu erhöhen und dabei gleichzeitig die Rasse zu erhalten. Das ist nämlich genau die Crux bei einem solchen Projekt. Das Einkreuzen einer fremden Rasse erzeugt klassische Mischlinge, wie jeder weiß. Hier sehen konservative Vertreter keinen Spielraum für die Zucht, während andere wiederum genau das als den einzig richtigen Weg ausgemacht haben. Hintergrund: Der Inzuchtkoeffizient beim Kromfohrländer liegt bei durchschnittlich 53% mit unaufhaltbarem weiteren Anstieg. Die ganze Dramatik wird einem bewusst, wenn man sich Folgendes vor Augen führt: Schon ein Inzuchtkoeffizient von 26% bedeutet, dass der Inzuchtpegel derart hoch ist, dass alle Kromfohrländer noch enger miteinander verwandt sind als Vollgeschwister!

Was bedeutet ein hoher Inzuchtkoeffizient? Er steht gleichbedeutend für eine hohe Reinerbigkeit der Nachkommen. Da die meisten Erbkrankheiten rezessiv vererbt werden, führt eine Zunahme des Inzuchtkoeffizienten zu einem häufigeren Auftreten von Erbkrankheiten.

Kleiner Exkurs für interessierte Leser:
Rezessiv bedeutet in der Genetik „zurücktretend“ oder auch „nicht in Erscheinung tretend“. In der Genetik unterscheidet man zwischen dominanten und rezessiven Allelen eines Gens. Ein dominantes Allel setzt sich in der Merkmalsausprägung gegenüber einem rezessiven Allel durch. Damit ein rezessives Allel merkmalsbestimmend werden kann, muss es homozygot vorliegen oder zusammen mit einem anderen rezessiven Allel auftreten. Rezessive Erbeigenschaften können durch homozygote Individuen weitervererbt werden.
Ein diploider Organismus besitzt von jedem Gen, das z.B. die Blutgruppe oder Haarfarbe kodiert, zwei Kopien, in der Regel eine von jedem Elternteil. Unterschiedliche Varianten eines Gens werden als Allele bezeichnet. Wenn beide Allele eines Individuums für ein bestimmtes Merkmal gleich sind, ist das Erbgut, bezogen auf dieses Merkmal, reinerbig oder homozygot.

Um es vereinfacht auszudrücken:

  • In der Genetik meint rezessiv die Eigenschaft eines Allels, in der Ausprägung gegenüber dem anderen Allel (dominantes Allel) zurückzutreten. Das dominante Allel setzt sich durch, das rezessive Allel tritt zurück.
  • Sind beide Allele eines Gens rezessiv, so manifestiert sich das rezessive Allel und kommt zum Tragen.

Da die meisten Erbkrankheiten rezessiv vererbt werden, bedeutet das:
Der süße Kromi hat vielleicht zeitlebens keine erkennbar zu Tage getretenen Erbkrankheiten gezeigt. Aber auch bei diesem Kromi ist sehr wahrscheinlich (Stichwort hoher Inzuchtkoeffizient) die Eigenschaft dafür als rezessives Allel vorhanden. Es nützt also der Wahrheit nicht, wenn behauptet wird, dieser Kromi ist gesund, der hat mit genetisch bedingten Erbkrankheiten nichts am Hut. Eine Verpaarung eines Kromis mit einem anderen Kromi, bedeutet letztlich – dem Durchschnitt geschuldet – eine Verpaarung zweier Kromis mit einem Inzuchtkoeffizienten von je über 50 %. Die süßen kleinen Kromiwelpen, die dadurch in die Welt gesetzt werden, tragen diese rezessiven Allele ebenfalls in sich. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese sich manifestiert als Krankheit niederschlagen, steigt von Mal zu Mal.

Die äußerst geringe Population der Kromfohrländer ist dabei das Hauptproblem. Waren es 1999 ca. 2.000 Kromfohrländer, die man in Deutschland zählte, sind es heute vielleicht 3.000, was immer noch unbedeutend wenig ist. Jedenfalls viel, viel, viel zu wenig, um den Inzuchtkoeffizienten und die damit einhergehenden genetisch bedingten Erbkrankheiten zu verringern. Sicherlich vermag der eine oder andere Kromfohrländer dem Durchschnitt ein Schnäppchen zu schlagen und damit dem Schicksal der schrecklichen Erbkrankheiten zu entkommen. Es ist aber der Begriff Durchschnitt, der jedem normalen Menschen klarmacht, dass die Rasse Kromfohrländer sich dem genetisch vorprogrammierten Schicksal der Erbkrankheiten unmöglich entziehen kann.

Um es einleuchtender zu machen: Übersetzt man in diesem Artikel den Terminus „der Kromfohrländer“ mit „mein Kromfohrländer“, dann wird einem das Thema sicher nicht mehr so abstrakt erscheinen.

Beispiele für die genetisch- und inzuchtbedingten Krankheiten sind u.a. Epilepsie, Autoimmunerkrankungen, digitale Hyperkeratose, Gelenkerkrankungen, Katarakt, Schilddrüsen- und Herzerkrankungen und Cystinurie, um nur einige zu nennen. Die Züchter haben immer mehr Schwierigkeiten, gesundheitlich verantwortbare Deckrüden für die Verpaarungen zu finden. Die einzig logische Schlussfolgerung aus dieser Erkenntnis ist die: Nichts zu machen ist keine Lösung. Die Hoffnung, dass die Verpaarung zweier Kromfohrländer mit je ca. 50 % Inzuchtkoeffizienten zu einer Verringerung des Inzuchtkoeffizienten führt, gleicht dem Wunsch nach Reichtum beim Zusammenführen zweier sich im Minus befindenden Bankkonten. Deshalb war das Einkreuzprojekt ein vernünftiger Schritt. Es ist ein Projekt, keine wissenschaftliche Ideallösung, weshalb das Monitoring und die Verfolgung der Ziele dauerhaft und unverzichtbar zum Projekt dazu gehören. ProKromfohrländer e.V. hat als Zuchtziel robuste und wesensfeste Kromfohrländer. Wie aber kann man mit dem Einkreuzen einer fremden Rasse die Ziele

  • die genetische Vielfalt zu erhöhen und
  • gleichzeitig die Kromfohrländer-Rasse zu erhalten

erreichen?

Zum einen, indem man zum Einkreuzen eine möglichst passende Fremdrasse auswählt. Der ProKromfohrländer e.V. hat sich hier zunächst für den Dansk-Svensk Gardhund, auch liebevoll Danski genannt, entschieden.

Der Dansk-Svensk Gardhund

 
Zum anderen, indem man die Verpaarung (F0-Generation) eines reinrassigen Kromfohrländers mit einem Danski nur ein Mal vornimmt.
Für die Verpaarungen mit den Nachkommen (F1-Generation) werden jeweils wieder reinrassige Kromfohrländer herangezogen. Diese Vorgehensweise wird bis zur 4. Generation der Nachkommen (F4-Generation) beibehalten. Man erhält also:

F1: 50-prozentige Kromfohrländer
F2: 75-prozentige Kromfohrländer
F3: 87,5-prozentige Kromfohrländer
F4: 93,75-prozentige Kromfohrländer

Die weiteren Nachkommen (F5-Generation und weitere) werden wieder als reinrassige Kromfohrländer bezeichnet.

Das Projekt der ProKromfohrländer kann mittlerweile voller Stolz die F3-Generation vorweisen und läuft bisher sehr erfolgreich, sodass man hoffnungsvoll optimistisch sein darf.

  • Die genetischen Untersuchungen weisen von Generation zu Generation eine in Bezug auf den F0-Kromfohrländer erhöhte genetische Vielfalt auf.
  • Die optischen Merkmale, mindestens ab der F2- Generation, weisen keine erkennbaren Unterschiede zu einem reinrassigen Kromfohrländer mehr auf. Dasselbe gilt für die Verhaltensmerkmale.

Wer ist der ProKromfohrländer?

Es mag sein, dass bei der F1-Generation der optische Einfluss des Danskis noch zu spüren ist. Aber auch diese Hunde kommen den optischen Merkmalen und dem Wesen des Kromfohrländers sehr nahe. Es handelt sich hierbei um überaus beliebte, gesunde und vor allem auch zuchttaugliche Hunde.

Der ProKromfohrländer e.V. hat mit seinem Projekt bereits jetzt in der dritten Generation einen gewaltigen Fortschritt beim Erhalt der Rasse und bei der Erhöhung der genetischen Vielfalt erreicht. Wo sich der Durchschnittswert der genetischen Vielfalt bei den F5-Generationen im Verhältnis zur F0-Generation einpendeln wird, bleibt abzuwarten. Es kann sein, dass eine wiederholende Einkreuzung erforderlich wird. Das wird das Projekt nach Auswertung einer größeren Anzahl F5-Generationen ergeben. Es mag sogar sein, dass man von dem Schema abweichen muss und eine weitere oder frühere Einkreuzung vornehmen sollte. Das alles wird die Zukunft zeigen. Aber es wird dies der Weg sein, den die Rasse Kromfohrländer gehen muss, sollten der Inzuchtkoeffizient und die genetischen Erbkrankheiten dieser Rasse nicht verringert werden – quo vadis Kromfohrländer. Es wird ein langer Weg, denn Züchten heißt in Generationen zu denken.

Der letzte Schritt, die Bestätigung der mit der Erhöhung der genetischen Vielfalt einhergehenden Verringerung der genetischen Krankheiten, bleibt als langfristiges Endziel der Statistik vorbehalten. Dazu sind die Lebenswege der Hunde bis zu ihrem Ableben zu verfolgen. Ein langwieriger Weg, aber ein Weg, den jeder Hundeliebhaber gerne geht, der die traurigen Krankheiten kennt, die die Genetik bei hohem Inzuchtkoeffizienten aufbieten kann. Es bleibt außerdem der einzige Weg, solange niemand einen besseren Weg aufzeigen kann.

Und noch einmal soll hier die Logik bemüht werden: Nichts zu machen ist keine Lösung!

Die Unterstützung des Projektes des ProKromforhländer e.V. ist mir deshalb eine Herzensangelegenheit.


Mehr und detailliertere Informationen vom ProKromfohrländer e.V. hier!

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Beobachtungen im Café

Cafébesuch

Sonnenstrahlen spiegeln sich in den Scheiben des Straßencafés. Ein Milchkaffee soll mir die Wartezeit bis zu meinem nächsten Termin versüßen. Noch ehe die Kellnerin mir meinen Kaffee bringt, fällt mir ein Pärchen auf. Von meinem Platz aus kann ich die beiden gut beobachten. Hin und wieder sehen sie beiläufig in die Runde, wenn jemand an ihrem Tisch vorbei läuft. Doch stets nur kurz, ehe sie sich wieder sanft berühren. Sie reden nicht, soweit ich das beurteilen kann. Doch ihre Augen sprechen miteinander, es bleibt mir nicht verborgen.

Ihre Beine berühren sich unter dem Tisch. Keiner der beiden lässt sich jedoch etwas anmerken, als wäre es das Normalste der Welt. Wie zwei Bücher im Regal, die sich gegenseitig stützen und eben einfach zusammen gehören.

Ihre Gesten reichen ihnen, um sich zu verstehen. Mit ihrer Körpersprache drücken sie mehr aus, als Worte zu sagen vermögen. Deshalb ist es mir unmöglich, meinen Blick von ihnen abzuwenden. Es sind keine anzüglichen Gesten. Eher so etwas wie: Danke, dass du bei mir bist. Sie sind ihrer Jugend zweifelsohne noch nicht lange entwachsen und trotzen einfach dem Leben seine schönen Seiten ab.

Sie wirken sehr vertraut miteinander. Ich werde ein wenig neidisch. Eine solche Vertrautheit, ein solches inniges Verhältnis das wünscht sich wohl jeder. Voller Anmut nähert nähert sich ihr Gesicht dem ihres Partners, während ihre Augen sich mehr und mehr schließen. Wie selbstverständlich bedankt sich ihr Partner mit einem kurzen Kuss auf den Mund. Einen Moment lang hält er inne, dann nähert er sich ihrem Ohr. Flüstert er ihr jetzt etwas zu?

Sie öffnet ihre Augen und lehnt sich wieder entspannt zurück. Sie wirkt glücklich, unendlich glücklich.

Plötzlich wendet ihr Partner sich mir zu. Seine Augen fixieren mich. Hat er gemerkt, dass ich sie beobachtet habe? Ich trinke zügig die letzten Schaumreste meines Milchkaffees und lege ein paar Geldstücke auf den Tisch. Den Keks nehme ich noch von der Untertasse mit und stehe auf. Den Weg nach draußen wähle ich bewusst so, dass ich an ihrem Tisch vorbei muss. Die Frau am Tisch sieht erst zu mir auf, als ich bei ihr stehen bleibe und in die Hocke gehe. Ich breche meinen Keks in zwei Hälften und zeige ihr die Stücke. Ich setze mein freundlichstes Gesicht auf. „Dürfen die beiden einen Keks essen?“, frage ich sie.

Sofort stehen die beiden Hunde auf und fordern ein, was ich ihnen hinhalte. Die Frau nickt freundlich. Die Zwei kauen und schlucken eiligst, um sofort für weitere Leckerlis bereit zu sein. Ich zeige ihnen meine leeren Hände und gehe weiter. Im Spiegelbild des Schaufensters kann ich sehen, wie sie mich mit ihren Blicken verfolgen. Einen Gedanken, eine Frage geben sie mir mit auf den Weg. Soll ich mir auch einen zweiten Hund anschaffen?

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Trailer zum Roman: Come on, Zeitreisender

Mal ein paar bewegte Bilder zu meinem Roman: Come on, Zeitreisender. Zu sehen ist u.a. auch ein vielen bisher bestimmt unbekannter Blick auf Münsters Prinzipalmarkt.

Ein Themenschwerpunkt sind Zeitreisen. Der Bogen wird von der heutigen Zeit bis ins Münster des 18. Jahrhunderts gespannt.

Das Buch ist der geheimen Gärung gewidmet, einer Münsteraner Widerstandsgruppe im Siebenjähriger Krieg (1756 – 1763). Ich finde, ihr Mut sollte nicht in Vergessenheit geraten. Außerdem lernt man das Leben während der letzten Blütezeit des Adels kennen.Viele tatsächliche Begebenheiten machen den Roman zu einem historischen Münster-Roman.

Wer also einen spannenden Münster-Roman lesen möchte …

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Ermutigung zum Schreiben

Schreiben ist einfach
Schreiben ist keine Wissenschaft. Schreiben ist der Wunsch oder das Bedürfnis, etwas zu erzählen. Deshalb möchte ich auf diesem Wege alle Menschen ermutigen, ihre Geschichte zu Papier zu bringen.

Meistens erzählt ja das Leben die interessantesten Geschichten. Manche dieser Geschichten trägt man lange, lange mit sich herum. Der eine, weil er sie selbst erlebt hat, der andere, weil er eine fantastische Geschichte von einem Bekannten erfahren hat. Natürlich gibt es auch Märchen, Abenteuer und Liebesgeschichten, die jemand aus der Fantasie heraus zu Papier bringen möchte. All jenen Menschen möchte ich auf diesem Wege Mut machen, ihre Geschichte zu Papier zu bringen.

Selbstverständlich ist es beim ersten Mal Neuland, das da betreten wird. Aber auch das ist interessant. Ich bin mal gefragt worden, was es dabei zu beachten gibt und wie man schreiben sollte. Ich kann dazu nur Folgendes sagen:

Schreibt über alles, was euch im Kopf herumgeistert, aber schreibt nichts Langweiliges. Der Leser will so etwas nicht lesen. Als Leser will man seiner täglichen Tristesse entfliehen und in eine andere Welt eintauchen. Man will mitfiebern, mitleiden und das Geschehen so nahe wie möglich miterleben.

Fragt man erfahrene Lektoren, so werden sie uns gewiss viele Regeln mit auf den Weg geben. Aber eigentlich gibt es nur eine Regel: Schreibt, was ihr wollt und wie ihr wollt! Es ist nämlich nie der Lektor, der über ein Buch urteilt, es ist immer der Leser.

Einfach mal versuchen – so wie es Mark Twain sagt, ist es auch nicht schwierig.

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Münster 1570

Wenn man einen Roman mit historischem Hintergrund und möglichst vielen tatsächlichen Begebenheiten schreiben möchte (Come on, Zeitreisender), kommt man um intensive Recherchearbeit nicht herum. Auch wenn sich vieles davon nicht im Roman wiederfindet, so ist die Arbeit dennoch notwendig. Hier habe ich ein kleines Überbleibsel meiner Recherche aufbereitet. Viel Spaß damit. Vor allem Münsteraner dürften erfreut sein, etwas geschichtlichen Hintergrund in Szene gesetzt zu bekommen.

Rundflug über Münster ca. 1570:


 

Leider, leider gab es früher keine Kameras. Aber es gab talentierte Maler, die uns mit ihren Bildern ein Stückchen historische Wirklichkeit übermitteln konnten. Einer von ihnen war der Münsteraner Hermann tom Ring. Er lebte im Stadtteil Überwasser auf der Honekamp-Straße – heute Krummer Timpen. Hermann tom Ring malte das obige Bild „Westvaliae Metropolis Monasterium“ im Spätsommer 1569 auf eine Leinwand. Es ist tatsächlich eine Augenweide. Der Kupferstecher Remigius Hogenberg fertigte auf Grundlage des Bildes einen Kupferstich und einige Nachdrucke an. Geld verdiente der Maler mit seinem Bild nicht. Ganz anders dagegen Remigius Hogenberg, der dem Rat der Stadt Münster eine gedruckte Ansicht des Bildes überreichte.

Was das Bild neben seiner Einzigartigkeit so wertvoll macht, ist eine historische Arbeit von Hermann von Kerssenbrock, der die Detailtreue der Stadtbefestigung zu entnehmen war. Er war langjähriger Rektor des Gymnasium Paulinum in Münster. Im Jahre 1573 schrieb er über das Täuferreich von Münster – zum Teil aus eigener Anschauung und auf der Grundlage von Berichten anderer Zeitzeugen. Hierin schildert er auch die Sitten und Zustände in Münster gegen Ende des 16. Jahrhunderts. Vor allem seine allzu detaillierte Beschreibung der Stadtbefestigung Münsters führte zum Zerwürfnis mit verschiedenen Autoritäten, woraufhin er die Stadt verlassen musste. Man warf ihm vor, in seinem Buch geheime Festungsanlagen beschrieben zu haben. Gerade dieser Aspekt aber macht tom Rings Bild so wertvoll. Die Stadtmauer und die Befestigungsanlagen sind sehr detailreich und trotz des malerischen Aspektes darf man die Befestigungsanlage quasi als fotografisches Überbleibsel von damals betrachten. Kerssenbrock und tom Ring kannten sich und sie wussten einander von ihren Arbeiten.

Hermann tom Ring war nicht nur ein begnadeter Maler, sondern verfügte auch über Kenntnisse in Symmetrie und Architektur. Er war ebenfalls als Kartograf und Geometer tätig. Alle diese Kenntnisse spiegeln die Einzigartigkeit des Bildes wider.

Eine reale Perspektive auf die Stadt hätte wohl nur ein paar wenige Dächer erkennen lassen. Also wählte tom Ring einen künstlich stark erhöhten Standort für sein Werk. Seine Kenntnisse über die Gebäude ließen ihn nicht nur zeichnen, was er sah, sondern ebenfalls das erfassen, was er wusste. Es ist ihm gelungen, die Bauwerke der Stadt lagerichtig nebeneinander anzuordnen, auch wenn ihre im Bild wiedergegebenen Standorte nicht der exakten Realität entsprachen.

Das Bild erfasst primär die westlichen Teile des Kirchspiels Überwasser und St. Aegidii. Der Rest der Stadt muss sich mit der Wiedergabe in Form einer Art Skyline begnügen. Die damals bei der gewählten Perspektive real sichtbare Anzahl der Häuser belief sich wohl auf ca. 800. Um die Einzelobjekte entsprechend deutlich darstellen zu können, beschränkte tom Ring sich auf ca. 150 Gebäude. Alleine diese Tatsache lässt erkennen, dass es dem Maler nicht um die originalgetreue Wiedergabe der optischen Realität ging. Vielmehr hielt er fest, was ihm wichtig war. Es gelang ihm so beispielsweise, die wechselnde Vielfalt der Giebelformen zu erfassen, die Münsters Stadtbild prägten.

Tatsächlich jedoch sind wohl nur drei Komplexe als ungefähr reale Wiedergabe im Bild dargestellt:

  • Der Platz auf dem Bispinghof: Der Platz hinter dem Neuwerk gelegen ist auf dem Bild gut zu erkennen.
  • Die Georgskommende: Die Südseite des Bispinghof-Platzes grenzt an die Kommende St. Georg. Das Haupthaus der Kommende, genauer gesagt dessen Südseite, die auf Pfählen dicht an der Aa steht, ist auf dem Bild wiedergegeben. Eine auffällig überdachte Brücke über die Aa führte zu dem Garten am rechten Aa-Ufer.
  • Das Fraterherrenhaus: Das Fraterhaus oder Fraterherrenhaus in Münster war eine Niederlassung der Brüder vom gemeinsamen Leben. Weiter links vom Bispinghof lag dieser im Bild deutlich dargestellte Häuserkomplex. Der Komplex umfasst die Kirche, das hohe Haupthaus und mehrere Nebengebäude.
Der Platz auf dem Bispinghof:
Münster 1570: Der Platz vor dem Bispinghof
Die Georgskommende:
Münster 1570: Georgskommende
Das Fraterherrenhaus:
Münster 1570: Fraterherrenhaus

 

Zwei weitere, erwähnenswerte Objekte:

  • Haus Langermann: Ein hansisches Kaufmannsgeschlecht aus Münster. Die Familie Langermann hat im 16. Jahrhundert in Münster eine bedeutende Rolle gespielt.
  • Mariental-Niesing: Kloster Niesing, offiziell auch Kloster Mariental genannt, war ein 1444 gegründetes Frauenkloster in Münster. Dieses folgte der Augustinusregel. Die Einrichtung bestand bis zur Säkularisation im Jahr 1810. Nicht zu verwechseln ist dieses Kloster mit der späteren Niederlassung eines Frauenordens mit Namen Marienthal auf dem Gelände der heutigen LWL-Klinik Münster.

Grundsätzlich hat der Maler tom Ring in seinem Bild alles hervorgehoben, was ihm für die von ihm gewählte Stadtansicht wichtig war. Dass die Ansicht den Überwasserbereich erfasst, seinen Wohnort, ist sicherlich kein Zufall. Achtzehn Kirchen hielt er fest. Lediglich zwei Kirchen, die bei dieser süd-westlichen Ansicht aufgrund ihrer Lage einfach nicht darstellbar waren, fehlen hier – St. Mauritz und St. Servatii. Hätten Sie es bemerkt?

So. Wer jetzt noch einmal einen historischen Rundflug chartern möchte, nur zu. Jeder ist eingeladen, das historische Münstervideo zu teilen, zu liken, zu kopieren, zu kommentieren, … Verteilen Sie es, wo Sie können. Es gehört jetzt der Welt.

Gern geschehen.

Rudolf Hinterding

Quellen:
– Wikipedia
– Das Buch: MÜNSTER 1570 (Der Kupferstich des Remigius Hogenberg nach einer Zeichnung des Hermann tom Ring erläutert von Karl-Heinz Kirchhof und Paul Pieper)

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Ein Blick in Münsters Vergangenheit

Bei den Recherchen zu meinem Zeitreise-Roman habe ich den niederländischen Maler Isaac van Ostade (1621 – 1649) kennengelernt. Seine Bilder stellen Schlachten und das Leben auf dem Land dar. Nach 1640 zeigen seine Bilder das bäuerliche Leben auf den Straßen und Wirtshausszenen. Solche Motive waren damals bei den Städtern beliebt. Sie fühlten sich den vermeintlich tumben Bauern überlegen und machten sich über ihre lebensfrohe und mitunter naive Art lustig.

Mich beschäftigt seit einiger Zeit das folgende Bild des Malers Isaac van Ostades. Auch hier wird eine Straßenszene dargestellt. Nun gut, der Maler mag seine Fantasie hier und da eingebracht haben, wer weiß das schon? Dieses Bild weist jedoch eine Besonderheit auf, die man ihm nicht sofort ansieht. Das Besondere liegt nämlich jeweils im Auge des Betrachters. Man stellt es erst fest, wenn man einmal mehrere Personen zu dem Bild befragt.

Prinzipalmarkt Münster ca. 1650

Prinzipalmarkt Münster ca. 1640-1649 vom Maler Isaac van Ostade

Je nach Perspektive ergeben sich unterschiedliche Schwerpunkte beim Betrachter:
  • Viele haben sich zuerst die vorderen Gebäude angesehen und eine Ähnlichkeit mit dem Münster von heute entdeckt, wohl wegen der Bogengänge und der Dach-/Giebelform. Aber sie haben auch versucht, die Gemäuer näher zu betrachten – Steinbau damals und heute.
  • Andere haben fast sofort die Gebäude im hinteren Bereich des Bildes angeschaut. Deren Stil weicht von dem der vorderen Gebäude ab: Sie sind heller und/oder haben eine andere Bauform. Man möchte zu gerne tiefer in das Bild hineinzoomen.
  • Eine weitere Gruppe bleibt konstant bei dem Mann im Vordergrund hängen und fragt sich, was genau er dort macht.
  • Wieder andere betrachten die Kirche. Viele kennen die frühere Bauform der St. Lambertikirche ja gar nicht, sodass ein Wiedererkennungseffekt fehlt.

Jetzt werde ich natürlich auch sagen, was mich an dem Bild beschäftigt hat, als ich es näher betrachtet habe. Ich bin mit meinen Beobachtungen nicht alleine, viele sehen das Bild mit ähnlichen Augen.

Mir ist der Markt aufgefallen mit vielen Leuten, einfachen Leuten. Menschen, die sich nicht scheuen, sich auf den Boden in den Schmutz zu setzen. Mensch und Tier sind dicht beieinander. Ich frage mich unweigerlich, von woher sie die Waren transportiert haben. Mussten sie einen weiten Weg auf sich nehmen? Das Bild blieb bei mir im Kopf hängen, sodass ich noch oft darüber nachgedacht habe, wie diese Leute wohl gelebt haben. Das Obst und Gemüse, Getreide usw. mussten ja erst einmal auf einem Feld wachsen. Die Saat musste ausgebracht werden, die Ernte eingeholt werden, die Menschen mussten da draußen irgendwie wohnen. Doch wie mögen sie gelebt haben? Beschäftigte Leute habe ich gesehen. Niemand auf dem Bild hat Langeweile, alle sind fleißig. Es sind Leute, die tun, was sie tun müssen. Einfache Menschen, die ihr Leben leben.

Natürlich habe ich auch andere Bilder zu Rate gezogen. In meinem Roman (Come on, Zeitreisender) geht es ja auch um den Adel während der letzten Blütezeit dieser Gesellschaftsschicht. Losgelöst von Klischees wollte ich mir mein eigenes Bild machen, wie diese Leute gelebt haben. Gefunden habe ich durchweg Bilder der folgenden Art:

Adel bei der MorgenschokoladeGenussvolle Morgenschokolade

Adel unter sichLebte man tatsächlich so? Oder wollte man nur nach außen so wahrgenommen werden?

Adel ca. 1830Schon jemanden bei der Arbeit entdeckt?

Das Ergebnis: Diese Menschen haben anders gelebt, anders als der normale Bürger. Das folgende Bild von Isaac van Ostade aus dem Jahre 1641 zeigt deutlich, was ich meine.

1641: Bauernhaus mit spielenden Kindern

Bauernhaus mit spielenden Kindern ca. 1641 vom Maler Isaac van Ostade

Was für mich als Autor wichtig ist, sind die Menschen und ihre Lebensumstände. Wie sie lebten und warum sie etwas getan haben. Alleine diese Bilder liefern genug Stoff für einen Roman. Allerdings nicht, wenn man sich nur auf die Gebäude beschränkt.

Quelle:
– Wikipedia
www.mediawiki.org

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Kromitreff Hooksiel 2015

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