Beobachtungen im Café

Sonnenstrahlen spiegeln sich in den Scheiben des Straßencafés. Ein Milchkaffee soll mir die Wartezeit bis zu meinem nächsten Termin versüßen. Noch ehe die Kellnerin mir meinen Kaffee bringt, fällt mir ein Pärchen auf. Von meinem Platz aus kann ich die beiden gut beobachten. Hin und wieder sehen sie beiläufig in die Runde, wenn jemand an ihrem Tisch vorbei läuft. Doch stets nur kurz, ehe sie sich wieder sanft berühren. Sie reden nicht, soweit ich das beurteilen kann. Doch ihre Augen sprechen miteinander, es bleibt mir nicht verborgen.

Ihre Beine berühren sich unter dem Tisch. Keiner der beiden lässt sich jedoch etwas anmerken, als wäre es das Normalste der Welt. Wie zwei Bücher im Regal, die sich gegenseitig stützen und eben einfach zusammen gehören.

Ihre Gesten reichen ihnen, um sich zu verstehen. Mit ihrer Körpersprache drücken sie mehr aus, als Worte zu sagen vermögen. Deshalb ist es mir unmöglich, meinen Blick von ihnen abzuwenden. Es sind keine anzüglichen Gesten. Eher so etwas wie: Danke, dass du bei mir bist. Sie sind ihrer Jugend zweifelsohne noch nicht lange entwachsen und trotzen einfach dem Leben seine schönen Seiten ab.

Sie wirken sehr vertraut miteinander. Ich werde ein wenig neidisch. Eine solche Vertrautheit, ein solches inniges Verhältnis das wünscht sich wohl jeder. Voller Anmut nähert nähert sich ihr Gesicht dem ihres Partners, während ihre Augen sich mehr und mehr schließen. Wie selbstverständlich bedankt sich ihr Partner mit einem kurzen Kuss auf den Mund. Einen Moment lang hält er inne, dann nähert er sich ihrem Ohr. Flüstert er ihr jetzt etwas zu?

Sie öffnet ihre Augen und lehnt sich wieder entspannt zurück. Sie wirkt glücklich, unendlich glücklich.

Plötzlich wendet ihr Partner sich mir zu. Seine Augen fixieren mich. Hat er gemerkt, dass ich sie beobachtet habe? Ich trinke zügig die letzten Schaumreste meines Milchkaffees und lege ein paar Geldstücke auf den Tisch. Den Keks nehme ich noch von der Untertasse mit und stehe auf. Den Weg nach draußen wähle ich bewusst so, dass ich an ihrem Tisch vorbei muss. Die Frau am Tisch sieht erst zu mir auf, als ich bei ihr stehen bleibe und in die Hocke gehe. Ich breche meinen Keks in zwei Hälften und zeige ihr die Stücke. Ich setze mein freundlichstes Gesicht auf. „Dürfen die beiden einen Keks essen?“, frage ich sie.

Sofort stehen die beiden Hunde auf und fordern ein, was ich ihnen hinhalte. Die Frau nickt freundlich. Die Zwei kauen und schlucken eiligst, um sofort für weitere Leckerlis bereit zu sein. Ich zeige ihnen meine leeren Hände und gehe weiter. Im Spiegelbild des Schaufensters kann ich sehen, wie sie mich mit ihren Blicken verfolgen. Einen Gedanken, eine Frage geben sie mir mit auf den Weg. Soll ich mir auch einen zweiten Hund anschaffen?

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