- Informationen auf Zeitreise
Wie bereits zu Anfang der Analyse von Zeitreisen festgestellt, ist ein besonders schwieriges Problem bei Zeitreisen nicht nur die Reise in die Vergangenheit oder Zukunft selbst. Vielmehr ist es von existenzieller Bedeutung, dass man ein geografisch exakt definiertes Ziel für die Zeitreise hat. Das alleine macht Zeitreisen angesichts der Erdrotation sowie der Rotation der Erde um die Sonne und diverser anderer Kleinigkeiten mindestens genauso unwahrscheinlich wie die Zeitreise als solche selbst. Denkt man alleine an die Diskussionen um mögliche Wurmlöcher mit unendlichen Geschwindigkeiten, unvorstellbaren Beschleunigungen (positiv und negativ) sowie Rotationen mit garantiert tödlichen Fliehkräften durch das Weltall, in dem Menschen eher schlecht überleben können. Der Zeitreisende würde wohl, wenn er die Zeitreise mittels Wurmloch durchführen würde, als nicht mehr identifizierbare Quantenmatsche ankommen.
Allerdings betreffen diese Schwierigkeiten die Zeitreise von Menschen. Wie sieht es aber aus bei Zeitreisen von Materialien? Wenn man sich die aktuellen Theorien auch nur ganz grob anhört, ist dort von Quantensprüngen, Wurmlöchern mit quasi unendlicher Geschwindigkeit und Beschleunigung und Ähnlichem die Rede. Wenn da auch nur ein wenig Wahres dran ist, wird es kaum Materialien geben, die so etwas heil überstehen können. Am wahrscheinlichsten könnten Informationen in Form von Radiowellen, oder allgemeiner ausgedrückt Funkwellen jeglicher Art, diese Dinge überstehen, aber ohne Verzerrungen werden die Wellen wohl auch nicht am Ziel ankommen. Alleine die elektromagnetischen Störungen durch unsere Sonne sorgen ja schon für ungewollte Störungen solcher Funkwellen.
Da wir uns bei dieser Thematik auf vollkommen unerforschtem Gebiet bewegen und eine Lösung nicht einmal annähernd vorstellbar wäre, ohne sich eigene physikalische Welten zu erdenken, dürfen wir Zeitreisen wohl mit einer Wahrscheinlichkeit von Null als möglich betrachten. Sie müssten also als unmöglich angesehen werden. Unmöglich soll hier bedeuten, dass sie eventuell einmal theoretisch möglich sein könnten, aber praktisch nie durchführbar wären. Für die Mathematiker unter Ihnen könnte man hierfür auch die Wahrscheinlichkeit für Zeitreisen als eine Nullmenge betrachten, so hätte man sich eine Hintertür für die grundsätzliche Möglichkeit von Zeitreisen wieder offengelassen. Aber das sind theoretische Spielereien, die an einer quasi unmöglichen Durchführbarkeit von Zeitreisen nichts ändern werden.
Aber nehmen wir einmal den bisher in allen Überlegungen zur Möglichkeit von Zeitreisen als kleinsten gemeinsamen Nenner für die Möglichkeit von Zeitreisen gefundenen denkbaren Lösungsansatz:
Es können nur Informationen auf Zeitreisen geschickt werden. Eventuell können die Informationen nur als Funkwellen oder sonst irgendwie denkbare Wellen, die einen Informationscharakter haben können, mittels einer Zeitmaschine auf die Zeitreise geschickt werden.
Zu Anfang dieses Buches haben wir ja bereits erarbeitet, dass Zeitreisen von einer Maschine zu einer irgendwo in der Zeit befindlichen Zeitmaschine die überhaupt wohl realistischste Möglichkeit von Zeitreisen darstellt und diese Möglichkeit als Fall 3 festgehalten:
Fall 3: Die Zeitmaschine reist selbst nicht mit in die Zeit, aber sie funktioniert nur mit sich selbst. Sie kann also nur auf sich selbst transferieren
Im Gegensatz zu Materialien und Menschen ist eine Rückreise von Informationen zum zeitlichen Ausgangspunkt wohl auch nicht notwendig. Gleichwohl wäre ein Informationsaustausch über die Zeit hinweg schon sinnvoll.
Bild 27
Nehmen wir also den Fall (Bild 27) eines Informationstransfers in die Vergangenheit. Eine solche Zeitreise der Information in die Vergangenheit erzeugt noch keinen neuen Zeit-Ereignisstrahl, da die Anwesenheit der Information an sich keine Veränderung der Geschehnisse bedeutet. Geschehnisse, genauer Ereignisse, die einen neuen Zeit-Ereignisstrahl entstehen lassen, sind solche, die ein Basisereignis mitsamt Folgeereignissen aufgrund der Zeitreise-Information bewirken. Eine Veränderung der Ereignisse tritt also frühestens dann ein, wenn ein Mensch die in die Vergangenheit gesendete Information wahrnimmt, denn diese Wahrnehmung ist etwas, das auf dem ursprünglichen Zeit-Ereignisstrahl nicht stattgefunden hätte. Ein neuer Zeit-Ereignisstrahl entsteht also erst nach einer unbestimmten Zeitspanne ∆t, wenn die Zeitreise-Information wahrgenommen wird.
Bei der Betrachtung von Unterschieden zwischen Zeitreisen von Menschen und Informationen, die auf eine Zeitreise geschickt werden, ist die Zeitspanne ∆t eher eine Formalie, die sonst keinerlei erkennbare Relevanz hat. Ein wesentlicher Unterschied ist aber das Nicht-Vorhandensein von Zeitreisenden. Es gibt also keinen Zeitreisenden, der aktiv irgendwelche Geschehnisse beeinflusst, andere Menschen tötet oder sonstige Aktivitäten entfalten kann. Auslöser von Veränderungen der Ereignisse ist lediglich die Information selbst. Wenn beispielsweise sechs Wochen vor einem Vulkanausbruch die Information über das Schreckensereignis bekannt wird, ist es sehr wahrscheinlich, dass das massive Auswirkungen mit sich bringen wird, die definitiv einen neuen Zeit-Ereignisstrahl entstehen lassen. Allerdings ist lediglich die Wahrnehmung der Information selbst das Basisereignis hierfür, nicht der Vulkanausbruch.
Konstruieren wir uns ein Beispiel hierzu:
Nehmen wir an, Sie haben vor ein paar Jahren eine Zeitmaschine erfunden. Sie steht gut behütet bei Ihnen zu Hause im Keller. Manchmal tragen Sie sie auch mit sich herum. Nun werden sie überfallen und eingesperrt. Ein Psychopath will Ihnen Böses. Sie schaffen es, sich selbst mit der Zeitmaschine eine Nachricht sechs Wochen zuvor zu schicken: „Bitte um Himmels willen am Tag X nicht den normalen Weg nach Hause gehen. Dort wirst du von einem Psychopathen überfallen.“
Da Sie die Zeitmaschine immer im Auge haben, erhalten Sie Ihre eigene Nachricht sechs Wochen aus der Zukunft. Sie haben natürlich keinen Grund, an Ihrer Warnung zu zweifeln, und gehen am besten an dem besagten Tag X gar nicht erst aus dem Haus.
Bild 28
Da Sie sich selbst die Nachricht aus der Zukunft geschickt haben, wissen Sie natürlich davon. Aber wenn jemand anderes diese Nachricht bekommen hätte und er hätte stattdessen den Psychopathen abgefangen und eingesperrt, … Sie wüssten nichts von diesem Vorgang, weder in der Vergangenheit noch am Tag X. Aber der Zweck wäre erfüllt.